15.08.13: Wie steht es um das GrünAreal?

GEMÜSEGÄRTEN STATT PARKPLÄTZE!

StellungnahmeGruenAreal_08_13 (die Stellungnahme als pdf Datei)

Wir treten zum jetzigen Zeitpunkt einen Schritt aus den Verhandlungsprozessen über das GrünAreal an der Alten Rindermarkthalle heraus, um über die Entwicklung der letzten Monate nachzudenken.

Was ist passiert?

Im Herbst 2012 hatten wir uns entschieden, Verhandlungen mit dem Bezirk und dem von Edeka beauftragten Projektentwickler zu führen, um die Territorialisierung von Anwohnerwünschen und das GrünAreal als Planungsgarten auf der Aussenfläche der Rindermarkthalle zu ermöglichen. Ziel war es, mit dem nachbarschaftlichen Gemüsegärtnern eine dauerhafte Plattform für Anwohner_innen auf dem Gelände zu etablieren und damit den Boden für einen Planungsprozess über die nächsten zehn Jahre zu bereiten.
Es kam zu Sondierungsgesprächen. Der Projektentwickler stellte für die Realisierung des GrünAreals die Nutzung einer kleinen, dunklen Ecke des Geländes, hinten neben der Anlieferrampe, in Aussicht. Der vorgeschlagene Standort ist gärtnerisch, politisch und räumlich keine Option. Das GrünAreal soll schließlich ein öffentlicher und offen zugänglicher Nachbarschaftsgarten sein, in dem die Leute sich gerne aufhalten.

Diese mehr als unbefriedigende Verhandlungslage hielt die Projektentwickler nicht davon ab, die Supermarktpläne für die Alte Rindermarkthalle mit dem Versprechen auf ein „Urban Gardening Projekt“ in der Öffentlichkeit zu bewerben. Baupläne mit einer grünen Gartenecke auf dem Areal wurden der Presse vorgeführt. Fotos vom Gartendeck in St. Pauli-Süd wurden dabei zur Illustration herangezogen – ohne dessen Wissen.

Das Ergebnis dieser Verhandlungsrunde war also, dass die Entwickler das Thema „Urban Gardening“ für Eigenwerbung nutzen, ohne gleichzeitig die dafür notwendigen Flächen und Mittel zur Verfügung zu stellen. Parkplätze im Aussenbereich des Geländes sind für EDEKA wichtiger als ein nachbarschaftlicher Planungsgarten, der aber zugleich dem Greenwashing dient.

Vor diesem Hintergrund haben wir zudem Gespräche mit dem Bezirk geführt. Unser Vorschlag war , die geplanten Außenparkplätze auf dem Gelände in Kooperation mit der Stadt durch eine „Gartenbühne“ zu überbauen. Idee dieses Konzepts ist es, eine modellhafte Lösung zu entwickeln, um trotz struktureller Knappheit von urbanen (Land-) Flächen die in Städten üppig vorhandenen Parkplätze mit Urban Gardening-Bühnen zu „überschreiten“. Diese Idee überzeugten den Bezirksamtsleiter und den Leiter des Fachamts für Stadt- und Landschaftsplanung konzeptuell. Es ging nun darum, einen Gestaltungsvorschlag und Kostenplan zu erstellen. Der Bezirk versprach, sich um die Möglichkeiten einer Finanzierung seitens der Stadt unter Beteiligung des Generalmieters EDEKA zu kümmern.

Die von uns vorgeschlagene Variante einer Gartenbühne über den Aussenparkplätzen wurde auch von den Projektentwicklern in Absprache mit Edeka akzeptiert. Deren Architekten eigneten sich die Idee an und entwickelten ohne weitere Absprache mit uns einen „innovativen“ Betonbauplan mit Kosten im Millionenbereich.

Daraufhin haben wir eigene Architekten beauftragt, um eine Vorplanung zu erstellen. Unsere Idee war, dass die Konstruktion möglichst leicht, einfach und aus Holz errichtet werden soll, um einen klimafreundlichen Baustoff, eine rückbaubare Anlage und eine formal eigenständige Baute an diesem Ort entstehen zu lassen.

Das Ergebnis fiel in mehrfacher Hinsicht ernüchternd aus. Der Bezirk lässt nach einer Vorprüfung wissen, dass er den Baustoff Holz für nicht genehmigungsfähig hält. Die mit Erde gefüllten Hochbeete erweisen sich in der statischen Berechnung als so schwer, dass eine aufwändige Konstruktion notwendig scheint, deren massives Fundament kostenintensiv auf verborgene Kampfmittel überprüft werden muss. Die Gartenbühne würde visuell wie baurechtlich zu einer Garagenanlage…

Parallel dazu lässt der Projektentwickler weiterhin keine Gelegenheit aus, das weder gesicherte noch auf seinen Ideen basierende Gartenprojekt der Öffentlichkeit als eine der besonderen Qualitäten der Edeka-Rindermarkthalle zu kommunizieren.

Was folgt daraus?

Die einzige Möglichkeit, das GrünAreal auf dem Gelände der ehemaligen Rindermarkthalle und autonom zu realisieren, besteht darin, dass die benötigte Fläche ebenerdig und anstelle der Außenparkplätze zur Verfügung gestellt wird. GEMÜSEGÄRTEN STATT PARKPLÄTZE!

Wir fordern Stadtregierung und Bezirksverwaltung auf, sich eindeutig für die Realisierung des GrünAreals auszusprechen. Dass sie die Finanzbehörde dazu bewegen, die besagte Fläche aus der 10-jährigen Zwischennutzungsvereinbarung heraus zu nehmen, um sie den Anwohnerinnen und Anwohner zur Verfügung zu stellen, anstatt uns weiter daran zu hindern, dort im Rahmen eines Stadtteil-Gemeinschaftsgartens und eines offenen und partizipativ-demokratischen Planungsprozesses die zukünftige Nutzung der städtischen Liegenschaft zu planen.

Wir fordern außerdem, dass Edeka nicht weiter für ihre neue Shoppingmall wirbt mit dem öffentlichen Hinweis auf den von uns geplanten Gemeinschaftsgarten. Wenn das GrünAreal dort entsteht, dann nicht wegen oder für Edeka, sondern wegen und für uns alle!