Kunst im öffentlichen Raum

Eine Positionierung von Anke Haarmann und Harald Lemke

Das „GrünAreal“ bezieht sich auf seine kunsthistorischen Vorläufer und deren Bedeutung für das Hamburger Programm „Kunst im öffentlichen Raum“. Das Programm „Kunst im öffentlichen Raum“ ist bekanntermaßen Mitte der 1980er Jahre initiiert worden und konnte sich in den 1990er zu einem international renommierten und diskutierten Kunst- und Kulturformat entwickeln. Es trug bei zur Anerkennung des öffentlichen Raums als gesellschaftlichem Ort sowie zum Verständnis der Kunstpraxis als möglicher Intervention in den städtischen Raum. Dieser Ansatz, implementiert in das Förderinstrument einer Metropole, ist kunsthistorisch wegweisend und kann sich als Beitrag zur zeitgenössischen „New Genre Public Art“ bzw. „Art in the Public Interest“ begreifen.

Zu den bekannten Künstlerpositionen, die das Programm konzeptuell geprägt haben und an die das „GrünAreal“ weiterentwickelnd anknüpft, gehören Joseph Beuys, der 1983 programmatisch sein ökologisch ausgerichtetes „Gesamtkunstwerk Freie und Hansestadt Hamburg“ vorschlug. Außerdem „Park Fiction“, das seit Mitte der 1990er Jahre den Stadtraum in St. Pauli als partizipative Parkskulptur Gestalt annimmt. Beiden Projekten liegt ein gesellschaftlich erweiterter Kunstbegriff zugrunde und beide Projekte beanspruchen das Verhältnis von Kultur und Natur neu zu fassen.

Joseph Beuys ging es mit dem „Gesamtkunstwerk Freie und Hansestadt Hamburg“ um eine langfristige Kooperation von Künstlern, Wissenschaftlern und Stadtplanern, um Hamburg am Beispiel der kontaminierten Spülfelder in Altenwerder zu einer umweltgerechten Stadt zu formen, die als ästhetischer, urbaner und ökologischer Raum wirkt. Formal war für ihn die Kooperation unterschiedlicher gesellschaftlicher Tätigkeitsfelder relevant, ohne dass dabei die symbolische und gestische Ebene der Kunst zugunsten einer reinen Pragmatik aufgegeben würde. Das Anpflanzen von reinigenden Bäumen sollte eine symbolisch schamanische, eine wissenschaftlich sinnvolle und eine stadtplanerisch wegweisende Aktion sein.

„Park Fiction“ hat als Kollektiv aus Anwohnerinitiativen, Sozialeinrichtungen und Künstlern und mit dem kulturellen und politischen Werkzeug der „Wunschproduktion“ einen Park in St. Pauli Süd durchgesetzt und partizipativ gestaltet. Als Grünfläche wird hier die Kulturgeschichte europäischer Parks aufgegriffen.

Das „GrünAreal“ begreift den Garten nicht als Park und das Grüne nicht als das Ergebnis einer Wunschproduktion, sondern beides als den Nährboden eines (agri- und stadt-) kulturellen Schaffens- und Kommunikationsprozesses. Die Stadt-Land-Bau-Kunst ist die Bedingung der Möglichkeit, dass die Vorstellungen und Ideen der Anwohner_innen tatsächlich auf die Strasse gehen und in den öffentlichen Austausch treten können. Der ökologische Aspekt der Beuysschen Tradition geht in den Garten als agrikulturelle Überwindung der Dichotomie von Stadt und Land ein, nimmt dabei aber die lokale Bevölkerung als Experten der demokratischen Gestaltung eines gemeinsamen und nachhaltigen „Gesamtkunstwerks Stadt“ ernst.

Ein Gedanke zu „Kunst im öffentlichen Raum

  1. Hallo,
    wir in Münster veranstalten am Montag, 29. April, 19 Uhr eine
    Live-Zucchini-Seeding-Streaming-Session im Rahmen einer interantionalen Skype-Konferenz. Gerne hätten wir ein kurzes Statement von Grün-Areal.net und/oder Keimzelle in unserem Livestreaming dabei !! – Wer meldet sich bei uns am Montag zwischen 19 und 21 Uhr ? – Skype-Name: „Zucchini-Art“.
    Mit besten Pflanzgrüßen aus Westfalen,
    Andreas Köpnick

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